GÜNTER ESCHBAUMER
28.08.1949 - 22.09.2025
In liebevoller Erinnerung an einen großartigen Menschen...
Der Tod von unserem Papa kam für meinen Bruder Günter und mich völlig unerwartet. Wir können noch immer nicht fassen, dass er nicht mehr da ist und wir in so kurzer Zeit hintereinander erst unsere Schwester, dann unsere Mama und jetzt auch noch Papa verloren haben - und nun nur noch wir beide übrig sind.
Unsere Familie war einmal so groß und es war so viel Leben in unserem Haus. Papa hat das in den letzten zwei Jahren, seit Mama nicht mehr ist, oft gesagt… Dass es so ruhig geworden ist. Nun ist es ganz still.
Papa hat als Johann Günter Eschbaumer am 28. August 1949 als Sohn von Hansi & Frieda Eschbaumer, geborene Hofmann, das Licht der Welt erblickt.
Es war keine einfache Zeit und man hatte nicht viel. Seine Mama half in der Gärtnerei der Schwiegereltern mit und fuhr mit Papas Opa immer mit einem Fuhrwerk nach München an den Viktualienmarkt, um die Ware zu verkaufen. Unsere Oma Frieda war damals gerade 18 Jahre alt, als Papa auf die Welt kam - und leider war die Ehe zwischen ihr und Hansi keine Glückliche. Papas Mama stand in den hitzigen Phasen aber immer „ihren Mann“ und dieses Temperament hat Papa eindeutig von ihr. Einer seiner Lieblingssprüche war immer: „Ja mei, ich habs ned gstohln, i habs geerbt“.
Irgendwann ging die Beziehung von Papas Eltern auseinander. Seine Mama hatte ihn, damals noch als kleinen Jungen, bei seinen geliebten Großeltern väterlicherseits in Kirchseeon „in Kost“ gelassen. Für sie war es die vernünftigste Lösung – etwas, woran Papa jedoch Zeit seines Lebens geknabbert hat.
Bei seiner Oma Katharina und Opa Hans Eschbaumer wuchs Papa zwar als einziges Enkelkind liebevoll umsorgt auf, doch das Bewusstsein, dass seine Mama ihn zurückgelassen hatte, war immer sehr belastend für ihn, auch wenn sie immer wieder zu Besuch kam und die beiden schon auch ein gutes Verhältnis und eine Bindung zueinander hatten. Ich war dabei als unsere Oma sich an ihrem Sterbebett bei Papa entschuldigte und ihn um Verzeihung bat. Ich glaube erst da schaffte er es, seinen Frieden damit zu machen.
Von seinem Vater Hansi konnte er darüber hinaus nicht viel erwarten, dieser stürzte sich sehr schnell in eine neue Ehe und legte seinen Fokus auf seine zweite Frau und die angenommene Stieftochter. Mit Papa hatte er nie eine echte Beziehung aufgebaut.
Und so blieben in Papas Kindheit seine Oma und sein Opa für ihn die wichtigsten Bezugspersonen, zwei absolute Herzensmenschen. In Kirchseeon besuchte Papa die Schule, hatte dort viele Freunde und auch einen berühmten Onkel, den Stemmer Fonsi, einen 60er Profi. Der war es dann auch, der Papa nach einem Spiel im Garten ins Ohr flüsterte „Bua, mit de Fiaß kannst es ned - mach was mit de Händ“. Und so blieb Fußball Papas große Leidenschaft – als Zuschauer. Er war ein echter Münchner Fußballfan, der den „Roten“ wie den „Blauen“ die Daumen drückte und im Derby immer für den Schwächeren war. Jede EM und WM verfolgte er und trug immer alles, typisch für sein Sternzeichen Jungfrau, fein säuberlich in einen Plan ein. Überhaupt musste bei Papa alles seine Ordnung haben. Er war extrem gewissenhaft und immer überpünktlich.
Sportlich schlug er selbst einen anderen Weg für sich ein. Er fing in Kirchseeon mit dem Boxen an und zeigte da großes Talent. Er wurde mehrfacher Bayerischer Meister und sogar Süddeutscher Meister. Seine Karriere pflasterten am Ende nur Siege und ein Unentschieden, keine einzige Niederlage. Ich kann mich noch gut als Kind erinnern, wie schnell Papa Seilhüpfen konnte – und das mit einer Leichtigkeit, als wäre das nichts.
Seine Mutter Frieda heiratete schließlich einen amerikanischen Soldaten. Mit Jimy zog sie Papas Schwester Jacky auf und die 7 Jahre jünger als Papa war. Die beiden mochten sich zwar, aber so ein Band, wie es nur Geschwister haben können, die miteinander aufwachsen, so war es zwischen den beiden nie. Für uns war Jimy zeitlebens unser Opa – und für Papa wurde er ein guter Kamerad.
Nach der Schule absolvierte Papa eine Lehre als Fliesenleger. Doch war ihm schnell klar, dass er diesen Job nicht zeitlebens machen wird – das war ihm körperlich viel zu anstrengend. Als er 17 Jahre alt war, holte ihn seine Mama Frieda erst zu sich nach Aschaffenburg und nahm ihn dann zu ihren Verwandten an den Sinti-Platz in Steinhausen mit. Dort, unter all den Jenischen, eröffnete sich für Papa eine ganz andere Welt. Seine Welt. Er schloss Freundschaften, die sein Leben lang hielten wie zum Beispiel mit Wolfi, Burli, Babo, Moschli, dem Schwarzenberger Martin und Netscher-Ferdinand, um nur einige zu nennen. Und mit seinem Onkel Walter, der nur 7 Jahre älter als er selbst war, ging er hausieren. Papa war ein richtig reisender Mann.
Schließlich wurde Papa beim Bund eingezogen und absolvierte seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Berchtesgaden. Um mehr Heimaturlaub zu bekommen, heiratete er seine Jugendfreundin Heidi. Die Ehe hielt zwar nicht, aber eine lebenslange Freundschaft blieb ihnen erhalten.
Gerade in seinen jungen und „aktiven“ Jahren war Papa ein absoluter Frauenheld, der nichts anbrennen ließ. Mit seinem Standard-Spruch „ich bin der Günter – im Sommer wie im Winter“ brach er neben seiner starken Ausstrahlung schnell das Eis. Zu seinen festeren Beziehungen hielt Papa bis zu seinem Lebensende einen freundschaftlichen Kontakt. So auch zu meiner leiblichen Mutter. Ich war kein Wunschkind und Mira nicht die Frau, die sein Herz wirklich berührt hat. Es hätte so viele Männer gegeben, denen es egal gewesen wäre, dass sie schwanger war und ein Kind erwartet. So ist Papa aber nie gewesen. Er ist zu seiner Verantwortung gestanden und hat mir gemeinsam mit meiner Oma eine Heimat gegeben.
Oft erzählte er mir, dass er nach meiner Geburt seine Frau „für mich“ ausgesucht hat. Dass es ihm ganz wichtig war, dass sie zu mir gut ist und ich in ihr eine Mutter finde. Und mit Mama hätte er es nicht besser treffen können. Er hat mir die beste Mama der Welt gefunden. Ich danke ihm von ganzem Herzen, dass er mir allein dadurch eine so unglaublich schöne Kindheit geschenkt hat. Eine Familie mit einer Schwester und einem Bruder - und ich nicht wie er selbst mit dem Gefühl und der Verletzung aufwachsen musste, dass ich meiner Mutter egal bin. Ich hatte, soweit ich denken kann, dank ihm eine Mama und einen Papa, die mich geliebt haben und immer für mich da waren.
Mit seiner Gitti, ging er eine Beziehung und spätere Ehe ein, die 45 Jahre bis zu ihrem Tod gehalten hatte. Mama brachte mit Silvia eine 7-Jährige Tochter in die Beziehung ein, die er wie sein eigenes Kind betrachtete - und zwei Jahre nach mir erblickte mein kleiner Bruder Günter das Licht der Welt. In Haar in der Hans-Stießberger-Straße verbrachten wir unsere ersten Jahre als Familie.
Unsere Eltern führten eine Beziehung, die von viel gegenseitigem Freiraum und echter Kameradschaft geprägt war. Das Geheimnis ihres Ehe-Erfolgs lag genau darin, meinte Mama immer. Sie ließen sich gegenseitig so eigenständig sein, wie sie beide waren, hielten aber stets fest zusammen, wenn es darauf ankam. Für mich waren die beiden immer wie Bonnie & Clyde.
Beruflich kann ich gar nicht alles aufzählen, in was sich unsere Eltern im Lauf der Jahre versucht haben… Vom Hausieren von Haushaltswaren über Bettwäsche und Besteck, bis hin zum Schuh- und Schlüsseldienst, oder dem Vertrieb des berühmten Putzmittels „S-66“. Darüber hinaus war Papa auch Clubbesitzer, hatte in Forstern mal eine Gaststätte, verkaufte Versicherungen – und gründete gemeinsam mit Mama und seinem Freund, dem Wurzl Jacki die Baufirma „Eschbaumer Wohnbau GmbH“.
Gearbeitet wurde viel – aber es wurde noch mehr gelebt! Papa verstand es wie kein anderer das Leben zu feiern. Unser Haus war immer voll von Familie und Freunden, die ganz spontan zusammen kamen bei uns. Ankündigen musste sich nie jemand, die Tür war stets für alle offen. Dann wurde die Musik aufgedreht und gelacht. Gemeinsam mit guten Freunden wie dem Rieger Manni, Gustl, Kaufmann Günther, Peter, Artin und Renzl Toni – um nur ein paar Lebensfreunde aufzuzählen, zog Papa oft tagelang um die Häuser. In ganz München war er ein bekanntes Gesicht und in allen Kreisen sehr beliebt. Ärger ging er nie aus dem Weg und oft ging ihm sein Temperament durch, wenn er unterwegs war und ihm einer quer kam. Hausverbote wurden reihenweise ausgesprochen – nur um ihn am nächsten Wochenende wieder mit offenen Armen in den Bars und Kneipen willkommen zu heißen.
Papa war ein richtiger Ansteller. Er hat es geliebt die Leute zu tratzen. Er hat unzählig viele Streiche durchgezogen… Von diesen Heldentaten wurde bis zuletzt immer lachend bei Feiern berichtet, wenn man in Erinnerung geschwelgt ist.
Mit dem Wurzl Jacky verband ihn auch die große Leidenschaft Backgammon. Stundenlang spielten die beiden eine Partie nach der anderen. Und auch uns Kindern lernte er das Spiel bis zur Perfektion.
Papa war ein absoluter Lebemann, doch gleichzeitig war er ein unglaublich guter Vater, der immer geschaut hat, dass es uns an nichts fehlt. Auch wenn das heimliche Familienoberhaupt unsere Mama war, hatte vor Papa jeder Respekt und Achtung. Er war ein sehr großzügiger, gerechter und geradliniger Mensch, hat immer seine Meinung klar gesagt und vertreten, was nicht immer für das Gegenüber angenehm war. Er hatte ein großes Herz für andere und war immer sehr besorgt um uns Kinder.
Er war unglaublich lustig, gern auch schadenfroh – und er hatte ein so markantes Lachen, das man aus jeder noch so großen Runde rausgehört hat. Er war aber auch sehr sensibel, schnell mal beleidigt und nachtragend wie ein Elefant.
Wir haben beide sehr viel von Papa – aber mein Bruder Günter ist der absolute Klon von ihm. Die beiden sind sich in so vielen Dingen ähnlich und es war immer weit mehr, als eine reine Vater-Sohn-Beziehung zwischen den beiden. Sie waren beste Freunde, die Tag ein und Tag aus gemeinsam um die Häuser gezogen sind und den gleichen Freundeskreis teilten.
Genau dieses Verhältnis hat sich Papa auch immer für Günter mit seinem Sohn Julius gewünscht, wenn dieser einmal älter ist. Papa war unglaublich stolz auf seinen einzigen Enkelsohn und hat „unseren Buam“ über alles geliebt. Auch in Julius erkenne ich ganz viel von seinem Opa – und das führe ich nicht nur auf das gleiche Sternzeichen zurück.
Nach unseren ersten Familienjahren in Haar zogen wir nach Angelsbruck auf einen alten Bauernhof. Papa ging für eine längere Zeit nach Landsberg „auf Kur“ und Mama schaffte uns in dieser Zeit ein neues Heim in der Feldbergstraße in Trudering. Dort verbrachten Günter & ich unsere gesamte Schulzeit bis ins Jugendalter hinein, bevor wir vor rund 30 Jahren nach Salmdorf gezogen sind – was für uns bis heute unsere Heimat und unser Zuhause ist.
Dort hat sich Papa im Keller ein Stüberl eingerichtet, wo er unzählige Male mit Freunden gefeiert hat – und seinem großen Hobby, der Musik nachging. Er hörte für sein Leben gern Evergreens, Country, alte Wiener Lieder – einfach alles, das mit viel Gefühl und Herzschmerz verbunden war. Diese Musik, die uns ein Leben lang begleitet hat, ist sein Vermächtnis und wenn ich heute seine Lieder höre, dann spüre ich förmlich, wie er neben mir sitzt und mitsingt.
Sein zweites großes Hobby war das Filmen und Fotografieren. Etliche Fotoalben und DVD´s mit übertragenen Super8-Filmen sind heute ein wertvolles Andenken für uns, an unsere Kindheit und die vielen unbeschwerten Stunden im Kreis der Familie und den vielen Freunden.
Wirtschaftlich war unsere Familie nie reich – aber wir waren reich an Werten, die uns vermittelt wurden und die wir heute mit Stolz leben. Zusammenhalt, Füreinander einstehen und immer ein Herz für andere haben.
Ende 2019 traf uns das Schicksal dann schwer. Wir haben unsere Schwester Silvia mit nur 48 Jahren nach einer Sepsis verloren. Das war der Moment, den ich heute als Wende in unserer Familie bezeichne. Da wurde uns allen der Boden unter den Füßen weggezogen, aber gerade Mama kam über den Verlust nicht hinweg. Gesundheitlich eh angeschlagen, wurden ihre vielen Beschwerden in den folgenden Jahren immer schlimmer. Unter anderem litt sie an COPD, benötigte zuletzt durchgängig das Sauerstoffgerät. Ende Mai 2023 ging Mama dann im wahrsten Sinne des Wortes der Atem aus. Papa war bei ihr, als sie erstickte und obwohl sie nochmal reanimiert werden konnte, verstarb Mama in Papas uns meinem Beisein am 31. Mai 2023 im Klinikum Bogenhausen. Meinem Bruder Günter war der Abschied von Mama damals leider nicht möglich. Er lag nach einem schweren Unfall im Norden Deutschlands im Krankenhaus und war nicht transportfähig. Da lief die Zeit leider gegeneinander und daran trägt mein Bruder noch heute schwer.
Papa, der sich bis dahin nie um irgendetwas kümmern musste, weil ihm Mama von jeher alles abnahm, stand plötzlich vor großen Herausforderungen. Noch heute bin ich unfassbar stolz, wie er diesen neuen Lebensabschnitt bei all dem Kummer und der unendlichen Trauer um seinen Seelenmenschen, angenommen hat. Auf seine „alten Tage“ lernte er Wäschewaschen, einfache Gerichte zu kochen und den Haushalt zu führen. Wir Kinder und sein Schwiegersohn Rupert unterstützten ihn natürlich, wo wir konnten.
Auch wenn er sich sehr bemühte, wussten wir aber immer, wie sehr ihn der Tod von Mama getroffen hat und dass es auch mit der Zeit nicht leichter für ihn wurde. Er sagte uns oft, dass er vor allem für Günter und mich durchhält und sich nicht gehen lässt. Seine Trauer war unfassbar groß und er litt wirklich sehr. Diesen Schmerz konnte ihm keiner von uns abnehmen. Ich habe ihn oft angeschaut, förmlich gespürt wie schlecht es ihm geht und mir gedacht, dass ich weiß mir wird es das Herz brechen, wenn der Tag kommt und er geht – aber mir war gleichzeitig bewusst, dass ich mich für ihn freuen muss, wenn er es geschafft hat und wieder mit all den Menschen vereint ist, die ihm voraus gegangen sind und um die er so getrauert hat. Allem voran um Mama.
Ich bin dankbar, um noch so schöne Familien-Erinnerungen, die wir uns in den letzten beiden Jahren als Familie geschaffen haben. Das erste Weihnachten ohne Mama beschlossen wir ausfallen zu lassen und verbrachten Weihnachten & Silvester zusammen auf Teneriffa. Im letzten Jahr war Papa noch bei Ruperts und meiner Hochzeit mit dabei, was uns ganz viel bedeutet hat – und heuer waren wir im Frühjahr noch ein paar unbeschwerte Tage in Südtirol.
So lustig Papa sein konnte – so sehr gab es aber auch immer die schwermütige Seite an ihm. Er hing sehr in der Vergangenheit mit seinen Gedanken und hatte oft ganz depressive Tage. Alle 2-3 Tage zog es ihn ans Familiengrab. Da saß er dann auf seinem Hocker, brachte immer frische Blumen und eine Kerze mit - und redete mit Mama.
Wir haben oft die Sätze von ihm gehört, dass er „nicht mehr mag“ – dass ihm das Leben keine Freude mehr macht. Bei Gesprächen um die aktuellen Nachrichten und unsere Weltlage kamen oft Sätze, dass wir in einer komischen Zeit leben, dass das nicht mehr seine Welt ist – und er sagte uns auch oft, dass wir ihn nicht mehr lange hätten, er froh ist, wenn es rum ist. Und dass wir nicht traurig sein brauchen, wenn es soweit ist. Weil er ein unglaublich schönes und bewegtes Leben hatte.
Für uns war es völlig unvorstellbar, dieses „ohne ihm“, weil er nach wie vor ein so stattlicher und rüstiger Mann war. Wir wussten um sein Aneurysma, das 2016 schon einmal operiert wurde. Außerdem hatte Papa Gicht und Diabetes und wenn er feiern war, brannte ihm drei Tage lang der Zeh. Für uns war er aber trotzdem unverwüstlich.
Bei einer kardiologischen Routine-Untersuchung wurde zwei Wochen vor seinem Tod festgestellt, dass die Aorta wieder erweitert sei. Der Kardiologe wollte seinen ehemaligen Operateur zu Rate ziehen und so hatten Papa und ich für den 22. September um 12h einen Besprechungstermin bei seinem Arzt im Klinikum Bogenhausen. Wir waren vor Ort verabredet und ich telefonierte noch um 11:10h mit ihm. Wie immer war Papa überpünktlich und schon auf halben Weg bei der Klinik. Als ich um 11:50h da war, konnte ich ihn aber nicht finden. Ich ging erst davon aus, dass er sich verlaufen hätte, das Besprechungszimmer nicht fand. Telefonisch war er nicht zu erreichen und so suchte ich fast 2 Stunden nach ihm. Die Sorgen und die Angst um ihn wurden immer größer und schlugen irgendwann in Panik um. Das Auto fand ich in der Tiefgarage, doch egal wo ich in der Klinik suchte, keiner hatte ihn gesehen. Schließlich lief ich alle Toiletten ab - und fand ihn. Mir war sofort bewusst, dass er tot ist. Und gleichzeitig ist die Erkenntnis und ganze Tragweite bis heute noch nicht so richtig bei mir angekommen.
Wir stehen unter Schock, sind fassungslos. Und gleichzeitig mischt sich unsere unendliche Trauer aber auch mit Erleichterung. Dass Papa nicht leiden musste, dass er genau so gehen konnte, wie er es sich immer gewünscht hat. Ohne Schmerzen, ganz schnell – vermutlich so, dass er es selbst gar nicht mehr mitbekommen hat. Zu einem Zeitpunkt, als er noch ganz „er“ war – nicht alt und gebrechlich, seine Sinne beinander hatte, einfach mitten aus dem Leben heraus. Zwei Tage vor seinem Tod war er noch mit seinem Freund Gustl, meinem Bruder und seinem Schwiegersohn Rupert auf der Wiesn. Er sagte im Vorfeld „wer weiß, ob das nicht die letzte gemeinsame Wiesn ist“. Und das war sie.
Wie oft hat er uns gesagt „wenn ich die Augen schließe, gehen sie Euch auf“ - und er hatte so recht… So unendlich recht.
Ich habe immer gewusst, wie sehr ich ihn liebe, wie wichtig er für mich bist. Hab immer gespürt wie wichtig es für mich war, dass es ihn noch gibt. Gerade als Mama gegangen ist. Was es aber bedeutet seine Wurzeln vollends zu verlieren, was es heißt von einem Moment auf den anderen aufzuhören „Kind“ zu sein – dieses Gefühl hätte ich mir so schlimm nicht ausgemalt.
Ab jetzt gibt es keinen Menschen mehr, der mich „Tamarala“ nennt – oder meinen Bruder „Stuzi“.
Ich weiß im Moment nicht, wie ich es schaffen soll, ohne meinen Papa zu leben, aber ich weiß, ich werde es schaffen. Weil ich aus seinem Holz geschnitzt bin. Und weil ich eine Aufgabe habe und mein Versprechen an ihn einhalten werde; auf meinen kleinen Bruder aufpassen.
Danke Dir, Papa. Für alles.
Ich liebe Dich – weiter über dieses Leben hinaus.
Deine Tochter Tamara
Reportage zum
60. Geburtstag
Als Papa 2009 seinen 60. Geburtstag feierte, haben mein Bruder Günter und ich uns was Besonderes einfallen lassen. Als Reporter von "Salmdorf-TV" haben eine "Sonderreportage" über das bewegte Leben des Johann Günter Eschbaumer zusammengestellt mit vielen Interviews von Wegbegleitern.
Gedenk-Video
Für Papas Trauerfeier habe ich für Papa ein Video zusammengestellt mit Bildern aus seinem bewegten Leben. Es ist tröstlich auf diesen Fotos zu sehen, dass so viele Menschen seinen Lebensweg begleitet haben und es so viele glückliche, unbeschwerte Momente gab. Untermalt ist das Video mit einem von Papas Lieblingsliedern, das Günter für ihn entdeckt hatte: "Find a New Home" von Will Banister.
Unsere Liedauswahl zur Trauerfeier

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